Ein Urgestein der Videokunst

November 10, 2007

Ira Schneider ist ein Urgestein der Videokunst und doch immer noch ein Geheimtipp. Daran hat auch der Hannah-Höch-Preis, der ihm letztes Jahr für sein Lebenswerk verliehen wurde, wenig geändert. Ira Schneider ist als Künstler ein Autodidakt. Er hat nie Kunst studiert, war aber einer ersten, der mit einer Videokamera experimentelle Filme produzierte und neben Nam June Paik erstmals in Ausstellungen mediale Installationen aufbaute. Als Mitbegründer der Zeitschrift „Radical Software“ und langjähriger Präsident der massen- medienkritischen „Raindance Foundation“ hat er sich seit den 70er Jahren für die Videocommunity engagiert. Seit 1993 lebt Ira Schneider, der 1939 in New York geboren wurde, in Berlin und arbeitet an seinem umfangreichen Oeuvre, zu dem auch viele Dokumentarfilme gehören. In Texten von Künstlerfreunden, Ausstellungsmachern und Kunstkritikern sowie einer ausführlichen Biographie und rund 300, oft bislang noch nicht abgebildeten Fotos wird sein Lebenswerk beim ZKM dokumentiert.

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Memory !

November 5, 2007

Es beginnt ganz harmlos. Wer im internet auf die Arbeit „memory“ des Konzeptkünstlers Frank Richter stösst, wird zu einem Spiel eingeladen, das man noch aus der Kinderzeit kennt. Von 16 verdeckten Spielkarten sind per Mouse-click jeweils zwei Karten aufzudecken. Ist auf beiden das gleiche Bild zu sehen, gibt es einen Punkt und die Suche geht weiter. Das Spiel ist mehr oder weniger erfolgreich beendet, wenn dank der eigenen Gedächtnisleistung innerhalb kürzester Zeit alle Bildpaare gefunden wurden.
Dies fällt aber bei der Arbeit von Frank Richter nicht allzu leicht, da man bei den aufgedeckten Karten bald ins Grübeln kommt. Offenbaren sie doch Ansichten von menschlichen Körperpartien, die schreckliches ahnen lassen. Denn nach und nach wird hier ein Fotodokument des Holocaust freigelegt, das fast verhungerte Kinder in einem Konzentrationslager zeigt. Da die Arbeit den Betrachter lange Zeit im Unklaren lässt, stellt sich allmählich eine unmittelbare Nähe zu den Opfern des Holocaust her, wie sie wohl selten zu erreichen ist.
Es ist wichtig, dass es neben Gedenkstätten und Mahnmalen auch immer wieder Formen des Gedenkens gibt, die Menschen auf eine unvorbereitete Weise ansprechen und versuchen Seh- und Verarbeitungsgewohnheiten zu durchbrechen. Nur dadurch ist es möglich, die Erinnerung wach zu halten und so etwas wie Authentizität im Betrachter herzustellen. Auch wenn kaum nachvollziehen ist, was die Opfer in den Vernichtungslagern
tatsächlich erlitten haben.