Memory !

Es beginnt ganz harmlos. Wer im internet auf die Arbeit „memory“ des Konzeptkünstlers Frank Richter stösst, wird zu einem Spiel eingeladen, das man noch aus der Kinderzeit kennt. Von 16 verdeckten Spielkarten sind per Mouse-click jeweils zwei Karten aufzudecken. Ist auf beiden das gleiche Bild zu sehen, gibt es einen Punkt und die Suche geht weiter. Das Spiel ist mehr oder weniger erfolgreich beendet, wenn dank der eigenen Gedächtnisleistung innerhalb kürzester Zeit alle Bildpaare gefunden wurden.
Dies fällt aber bei der Arbeit von Frank Richter nicht allzu leicht, da man bei den aufgedeckten Karten bald ins Grübeln kommt. Offenbaren sie doch Ansichten von menschlichen Körperpartien, die schreckliches ahnen lassen. Denn nach und nach wird hier ein Fotodokument des Holocaust freigelegt, das fast verhungerte Kinder in einem Konzentrationslager zeigt. Da die Arbeit den Betrachter lange Zeit im Unklaren lässt, stellt sich allmählich eine unmittelbare Nähe zu den Opfern des Holocaust her, wie sie wohl selten zu erreichen ist.
Es ist wichtig, dass es neben Gedenkstätten und Mahnmalen auch immer wieder Formen des Gedenkens gibt, die Menschen auf eine unvorbereitete Weise ansprechen und versuchen Seh- und Verarbeitungsgewohnheiten zu durchbrechen. Nur dadurch ist es möglich, die Erinnerung wach zu halten und so etwas wie Authentizität im Betrachter herzustellen. Auch wenn kaum nachvollziehen ist, was die Opfer in den Vernichtungslagern
tatsächlich erlitten haben.

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